Konkret

5 Mails, die du als Coach nicht mehr selber schreiben musst

Einmal vorbereiten, immer wieder anpassen. Spart pro Woche eine bis zwei Stunden.

6 Minuten Lesezeit · von Björn Puls

Wenn ich dir bei einer Coach-Klientin über die Schulter schauen dürfte, würden wir wahrscheinlich Folgendes sehen:

Du sitzt am Mittwoch um halb elf an deinem Laptop. Drei Mails warten in der Inbox, die im Kern alle ähnlich sind — eine Erstanfrage, eine Absage, eine Frage zum Folgetermin. Du fängst an zu tippen. Bei jeder Mail liest du nochmal nach, was du letzte Woche bei einer ähnlichen geschrieben hast. Du formulierst neu. Du grübelst über den richtigen Ton. Eine halbe Stunde später bist du fertig und ahnst: nächsten Mittwoch passiert das Gleiche.

Genau dafür gibt es Vorlagen. Aber nicht die starren, kopiert-eingefügt-erkennbar-roboterhaften Vorlagen, sondern persönliche Bausteine, die du einmal sauber schreibst und dann mit drei Sätzen pro Mail an die jeweilige Person anpasst.

Hier sind die fünf Mails, die in meinen Augen jede Coach im Vorrat haben sollte.


1. Die Antwort auf eine erste Anfrage

Eine Frau hat dein Kontaktformular ausgefüllt oder dir auf Insta geschrieben: „Ich überlege, ob Coaching das Richtige für mich ist. Wie funktioniert das bei dir?"

Diese Mail beantwortest du im Schnitt zwei bis fünf Mal pro Monat. Und jedes Mal geht es im Kern um drei Sachen:

Schreib das einmal in Ruhe auf, mit deiner Stimme, deinem Tempo, deiner Einladung. Speicher es als Notiz in deinem Mailprogramm oder in einem Notion-Dokument. Wenn die nächste Anfrage kommt: kopier die Vorlage, tausch die ersten zwei Sätze gegen eine echte Reaktion auf das aus, was die Frau geschrieben hat. Fertig in fünf statt 25 Minuten.

2. Die freundliche Absage

Manchmal passt es nicht. Sie ist nicht in deiner Zielgruppe. Sie hat ein Anliegen, das du nicht abdeckst. Sie braucht eigentlich Therapie statt Coaching. Sie hat einen Ton, mit dem du nicht arbeiten willst.

Eine Absage zu schreiben fühlt sich oft schwerer an als eine Zusage. Deswegen lohnt es sich, eine wohlwollende Standard-Absage zu haben, die ehrlich ist, ohne hart zu sein. Etwas in der Art:

„Danke für deine Anfrage und das Vertrauen, dich überhaupt zu melden. Nach dem, was du beschreibst, glaube ich, dass ich nicht die Richtige für dich bin — das, was du suchst, geht in eine Richtung, in der ich nicht arbeite. Ich möchte ehrlich sein, statt dir Stunden zu verkaufen, von denen ich glaube, dass sie dir nicht das geben, was du brauchst."

Den Rest passt du jeweils an: die spezifische Begründung, eine Empfehlung an wen sie sich stattdessen wenden könnte (wenn du eine hast).

3. Die Bestätigung nach einem Erstgespräch

Nach dem ersten kostenlosen Gespräch (oder Telefonat) gibt es eine Mail, die du im Kern jedes Mal gleich schreibst:

Diese Mail ist wichtig. Sie macht den Unterschied zwischen einem Erstgespräch, das im Sand verläuft, und einer Klientin, die tatsächlich anfängt. Auch hier: Vorlage haben, dann mit zwei Sätzen Bezug auf das konkrete Gespräch nehmen ("Was du über deinen Übergang erzählt hast, ist mir geblieben…").

4. Die Erinnerung an ausstehende Antwort

Eine Frau wollte ein Paket buchen, hat den Anamnesebogen aber nie zurückgeschickt. Oder ein Erstgespräch ist zwei Wochen her und du hast nichts mehr von ihr gehört.

Da gehört eine kurze, leichte Mail dahin. Nicht drängend. Nicht vorwurfsvoll. Eher in der Art von: „Ich wollte mich nochmal bei dir melden, falls die Mail in der Inbox versunken ist. Wenn sich gerade was verschoben hat, ist das natürlich völlig okay — meld dich einfach, wenn es passt."

Diese Mail ist Gold wert. Du würdest dich wundern, wie viele Klientinnen einfach nur den richtigen Anstoß brauchen, weil das Leben dazwischen kam. Die meisten Frauen sind dankbar — nicht genervt — wenn man nochmal nachfasst.

5. Die Mail nach der letzten Sitzung

Wenn ein Coaching-Prozess endet, schreibst du eine Mail. Die hat oft emotionale Tiefe, weil sie zur Tür gehört, durch die ihr beide jetzt wieder auseinander geht.

Auch hier: ein Grundgerüst hilft, ohne dass die Mail dadurch hohl wird. Was die Mail enthält:

Die ersten beiden Punkte machst du persönlich. Die letzten zwei sind die Vorlage.


Wo du diese Mails speicherst

Du brauchst dafür kein neues Tool. Drei Möglichkeiten, von einfach nach edler:

  1. Eine Notiz in deinem Mailprogramm — Apple Mail, Outlook, Gmail haben alle eine "Vorlagen"- oder "Snippets"-Funktion. Reicht völlig.
  2. Ein Notion- oder Obsidian-Dokument — eine Seite mit allen fünf Mails, immer griffbereit. Hat den Vorteil, dass du sie einfacher überarbeiten kannst, wenn dir mit der Zeit etwas einfällt.
  3. Eingebaut in eine Newsletter-Software wie Brevo oder Kit — dann kannst du sie sogar automatisch versenden lassen, wenn jemand zum Beispiel den Anamnesebogen nicht innerhalb von zehn Tagen einreicht.

Mein Vorschlag: fang mit Variante 1 oder 2 an. Variante 3 ist gut, wenn du das Gefühl hast, dass dieselben Schritte sich Woche für Woche wiederholen.


Wo KI ins Spiel kommt

Wenn du gar keinen Anfang findest, ist eine KI wie Claude oder ChatGPT eine ruhige Sparringpartnerin. Du sagst ihr in zwei, drei Sätzen, was die Mail leisten soll, und sie liefert dir einen Entwurf. Den nimmst du auseinander, wirfst die Hälfte raus, formulierst um. Was übrig bleibt, ist deine Vorlage.

Das Wichtige: schick nie eine Mail raus, die direkt aus einer KI kommt. Lies sie laut. Wenn ein Satz nicht nach dir klingt, ändere ihn. Eine Vorlage, die du einmal in Ruhe in deine Stimme gebracht hast, ist hundertmal mehr wert als eine Vorlage, die du heute schnell rausgeschickt hast.

Mehr in dieser Richtung

Im 7-Tools-PDF zeige ich dir konkret, mit welchen Werkzeugen du diese Vorlagen baust und einsetzt.

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